Montag, 20. Juli 2026

Raumfahrtaktien im freien Fall: Optionsmarkt enthüllt fragile Unterstützungsniveaus bei SpaceX und Rocket Lab

18. Juli 2026
Raumfahrtaktien im freien Fall: Optionsmarkt enthüllt fragile Unterstützungsniveaus bei SpaceX und Rocket Lab
Raumfahrtaktien im freien Fall: Optionsmarkt enthüllt fragile Unterstützungsniveaus bei SpaceX und Rocket Lab

Die beiden Vorreiter der kommerziellen Raumfahrttechnologie, SpaceX und Rocket Lab, geraten zunehmend unter Druck. Während die Branche einst als Hoffnungsträger galt, zeichnet sich an den Terminbörsen ein deutlich düstereres Bild ab. Eine Betrachtung der Optionsmarktdaten offenbart die Mechanismen hinter den jüngsten Kursabstürzen und zeigt, wo technische Bruchstellen entstanden sind.

Rocket Lab: Kollaps der Kaufoptionen

Am 17. Juli 2026 notierte die Rocket-Lab-Aktie (RKLB) im vorbörslichen Handel bei 63,76 USD und markierte damit einen Rückgang von über 57 Prozent vom Hoch Ende Mai bei rund 151 USD. Besonders aufschlussreich ist die Struktur der Optionsketten im Juli-Verfall: Das Open Interest bei Call-Optionen erreichte gigantische 137.926 Kontrakte, während Put-Optionen nur 78.884 Kontrakte aufwiesen – ein Verhältnis von etwa 2:1 zugunsten der Kaufoptionen.

Kleinanleger hatten offenbar massive Wetten auf einen starken Kursanstieg platziert, wobei konzentrierte Call-Positionen bei 100, 110, 120 und 130 USD aufgebaut worden waren. Diese Konstrukte verfallen heute wertlos, und die gezahlten Prämien sind verloren.

Gleichzeitig laufen die Put-Optionen bei 70 USD (5.369 OI), 75 USD (5.602 OI) und 80 USD (7.030 OI) tief ins Geld. Market Maker, die als Liquiditätsanbieter auf der Gegenseite stehen, geraten dadurch in erhebliche Schieflage und müssen am Kassamarkt Aktien zum Absichern ihrer Positionen verkaufen. Die implizite Volatilität in diesem Bereich (102 bis 184 Prozent) spiegelt die herrschende Panik wider.

Für den August gibt es unterhalb von 80 USD kaum nennenswerte Stützung durch Optionspositionen. Im September zeigt sich ein Versuch, einen neuen Boden zu etablieren: Bei exakt 65 USD wurde eine Put-Konzentration von 1.958 Kontrakten gehandelt. Der vorbörsliche Kurs balanciert genau auf dieser Kante. Sollte dieses Niveau brechen, folgt ein Vakuum bis zum nächsten tragfähigen Fundament im September bei 40 USD (3.147 OI).

SpaceX: Die unsichtbare Verkaufsdecke

SpaceX notierte am 17. Juli bei 125 USD – über 10 USD unter dem IPO-Preis und 44 Prozent unterhalb des Hochs von über 225 USD. Der Börsengang war von euphorischen Prognosen begleitet worden, doch die Realität an der Börse zeigt sich deutlich weniger verheißungsvoll. Ein geplanter Raketenstart wurde zudem abgebrochen.

Die aktuelle Optionsstruktur offenbart die kritische Situation: Die Haltelinie liegt bei 125 USD im August-Register, wo sich über 32.800 Put-Kontrakte konzentrieren. Dies ist die letzte nennenswerte Unterstützung der Stillhalter. Unterhalb dieser Marke klafft eine auffällige Lücke im Volumenprofil bis zur nächsten belastbaren Unterstützung bei 100 USD.

Die ursprüngliche Dynamik der Optionsmärkte erklärt sich durch die Prämienverkäufe unmittelbar nach dem IPO: Banken verkauften massenhaft Kaufoptionen für Kurse ab 135 USD aufwärts und kassierten erhebliche Gebühren. Solange der Kurs unter dieser Marke bleibt, profitieren die Market Maker vollständig.

Die Mechanik der Marktstatik

Das Phänomen erklärt sich durch die mathematischen Absicherungsmodelle der Market Maker. Wenn diese massenhaft Kaufoptionen verkaufen, müssen sie durch Delta-Hedging ihre Risiken absichern – indem sie mit steigendem Aktienkurs selbst Anteile kaufen. Dies erzeugt künstlichen Aufwärtsdruck.

Doch zwei Faktoren verhindern einen nachhaltigen Ausbruch: Erstens ist die Wahrscheinlichkeit, dass Optionen weit aus dem Geld enden, statistisch marginal. Ein Anstieg von 125 auf 128 USD genügt nicht, um Market Maker zu aggressiven Zukäufen zu zwingen. Zweitens schmilzt der Zeitwert der Optionen mit jedem verstreichenden Tag. Mit sinkender Volatilität und näherrückendem Verfallstag sinkt das mathematische Risiko der Stillhalter dramatisch – selbst bei leicht steigenden Kursen.

Die absurde Konsequenz: Market Maker nutzen zarte Kurserholungen als Gelegenheit, ihre Aktienpositionen abzuverkaufen und Gewinne zu sichern. Das vermeintliche Kaufsignal wird zur Verkaufsgelegenheit. Diese Verkaufsdecke wirkt wie eine tonnenschwere Last auf dem Kurs.

Ausblick und Risikobetrachtung

Anleger, die auf schnelle Rebounds bei beiden Werten spekulieren, ignorieren die Grundgesetze der Marktstatik. Solange Market Maker die Preisbildung dominieren und die implizite Volatilität nicht zusammenfällt, bleibt die Seitenlinie der sicherste Aufenthaltsort.

Für beide Titel gilt: Ohne Bildung einer tragfähigen Akkumulationszone, die mit massiver Unterstützung im Open Interest der Optionsmärkte korrespondiert, gibt es keinen überzeugenden Grund für aggressive Long-Positionen. Sollte der Sturzflug anhalten, können aggressive Anleger Zielmarken um 100 USD bei SpaceX und 40 USD bei Rocket Lab beobachten.

Die Daten stammen von barchart.com und wurden mit Unterstützung von Gemini Pro analysiert.

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