Volkswagen: Aufsichtsrat blockiert Blumes Sanierungskurs – 50.000 Stellenabbau geplant

Der Volkswagen-Konzern befindet sich in einer Phase erheblicher Umstrukturierung. Nachdem CEO Oliver Blume vor Wochen ein hartes Sanierungspaket mit geplanten Werkschließungen und Massenentlassungen vorgestellt hatte, lehnte der Aufsichtsrat diesen Kurs ab. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung stimmten zwölf Aufsichtsräte gegen Blumes Konzept, während lediglich sieben dafür votierten. Der Einfluss von Gewerkschaftsvertretern und des Bundeslandes Niedersachsen als Großaktionär war dabei entscheidend.
Strategische Neuausrichtung statt drastischer Schnitte
Blume hat sich darauf eingestellt, seinen ursprünglichen Plan zu modifizieren. Statt Werkschließungen sollen nun alternative Maßnahmen wie Abfindungsprogramme und Frühverrentungen die Kostenlast senken. Der CEO kündigte in einem Interview im VW-Intranet an, dass der Konzern weltweit bis zu 50.000 weitere Positionen abbauen könnte – zusätzlich zu einer ähnlich großen Zahl aus einem bereits 2024 gestarteten Sparpaket.
Blume begründete die Notwendigkeit damit, dass die Gemeinkosten des deutschen Herstellers etwa ein Fünftel über denen der Konkurrenz liegen. Um Parität zu erreichen, sei dieser „theoretische Abbau" erforderlich. In dem Memo erklärte der CEO: „Die Mitarbeiterzahl des Konzerns ist über Jahrzehnte auf ein Niveau gewachsen, das heute nicht mehr tragbar ist."
Marktdruck von mehreren Seiten
Die Quartalsauslieferungen der Volkswagen-Gruppe sanken im Jahresvergleich um 8,6 Prozent. Bei Elektrofahrzeugen betrug der Rückgang 4,2 Prozent. Besonders schwach entwickeln sich die Märkte in den USA und China, während Europa noch Zuwächse verzeichnet.
Blume verwies auf externe Faktoren, die den Konzern belasten: „Das liegt an Veränderungen auf den Märkten und negativen Auswirkungen außerhalb unserer Kontrolle, die sich in einer Größenordnung von zweistelligen Milliardenbeträgen in Euro belaufen." Der chinesische Markt leidet unter einer anhaltenden Immobilienkrise, während US-Zölle die Rentabilität der Luxusmarken Audi und Porsche beeinträchtigen.
Portfolio-Überprüfung im Fokus
Blume betonte, dass das klassische Geschäftsmodell – Fahrzeuge in Deutschland entwickeln und von dort exportieren – nicht mehr haltbar sei. Der Konzern überprüft daher sein Portfolio aus über 2.000 Beteiligungen und Unternehmen.
Im vergangenen Monat verkaufte Volkswagen 51 Prozent seiner Schiffsmotoren-Sparte Everllence für rund 7,4 Milliarden Euro. Unter Prüfung stehen auch Beteiligungen wie die Motorradmarke Ducati und eine Position beim US-amerikanischen Festkörperbatterie-Hersteller QuantumScape. Das Unternehmen wird analysieren, welche Vermögenswerte zum Kerngeschäft Automobilbau beitragen und welche veräußert werden sollten.
Mit weltweit 657.000 Mitarbeitern steht Volkswagen unter erheblichem Druck. Während Blume die Notwendigkeit struktureller Veränderungen betont, wird die Umsetzung durch die Machtverhältnisse im Aufsichtsrat erheblich erschwert. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob ein Kompromiss zwischen Kostensenkung und Beschäftigungssicherung möglich ist.
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