SpaceX an der Bewährungsprobe: ETF-Kaufzwang trifft auf Musk-Skepsis

Die Aufnahme von SpaceX in den Nasdaq 100 markiert einen Wendepunkt für das Raumfahrtunternehmen. Passive Indexfonds werden gezwungen sein, das Unternehmen in ihre Portfolios aufzunehmen – Bloomberg zufolge dürften diese automatischen Käufe mindestens 5,4 Milliarden US-Dollar ausmachen. Gleichzeitig endet am Dienstag die Quiet Period, in der die an der Börsennotierung beteiligten Finanzinstitute ihre erste Analysen, Kursziele und Wachstumsprognosen veröffentlichen dürfen.
Diese Berichte könnten die Stimmung für die kommenden Monate prägen. Art Hogan, Marktstratege bei B. Riley Wealth, sieht hier den Kern des Problems: Während Diskussionen sich auf die mögliche Entwicklung bis 2030 konzentrieren, bleibt die Frage nach der Performance in den nächsten zwölf Monaten unterbelichtet.
Eine Bewertung, die Perfektion voraussetzt
Die gegenwärtige Marktbewertung enthält bereits extrem optimistische Annahmen. Für 2026 wird ein Umsatz von etwa 36 Milliarden US-Dollar prognostiziert, wobei SpaceX bislang keinen Gewinn ausweist. Dennoch wird das Unternehmen mit dem 41-fachen seines erwarteten Jahresumsatzes bewertet. Zum Kontext: Palantir, die am höchsten bewertete Aktie des S&P 500 nach Kurs-Umsatz-Verhältnis, wird mit dem 32-fachen gehandelt. Apple und Microsoft notieren unter dem Neunfachen ihres erwarteten Umsatzes. Das Forward-KGV von rund 729 zeigt das Ausmaß der Zukunftserwartungen, die bereits eingepreist sind.
Analysten treiben die Prognosen dabei immer weiter hinaus: Goldman Sachs erwartet bis 2030 einen Umsatz von etwa 474 Milliarden US-Dollar, Morgan Stanley hält langfristig sogar mehrere Billionen Dollar für erreichbar. Bloomberg Intelligence hingegen warnt vor Überoptimismus. Selbst wenn Umsatz und operativer Gewinn in den kommenden Jahren vervielfacht würden, läge SpaceX laut deren Berechnungen immer noch deutlich über der Bewertung etablierter Tech-Giganten wie Microsoft, Meta, Alphabet oder Amazon. Der Portfoliomanager Vikram Rai fasst das Kernproblem zusammen: Wenn Prognosen so weit in die Zukunft reichen, gibt es keine Möglichkeit, ihre Genauigkeit zu überprüfen.
Der Elon-Musk-Effekt an der Börse
Ein neuer Trend zeichnet sich an den Märkten ab: Investoren wählen ihre Positionen zunehmend nicht nur nach Unternehmensmetriken, sondern auch nach den Führungspersonen. Einige Anleger bauen ihre ETF-Positionen bewusst um, bevorzugen europäische Indexfonds oder kaufen stattdessen Konkurrenten wie Rocket Lab – alles, um ein SpaceX-Investment zu vermeiden. Der Softwareentwickler Christopher Bejnar hat eigenen Aussagen zufolge 50.000 US-Dollar in europäische Aktienfonds verschoben, um SpaceX aus seinem Depot zu halten. Sein Resümee: Egal wie erfolgreich die Aktie wird, bereuen würde er diese Entscheidung nicht.
Der Mechanismus der passiven Geldströme
Der SpaceX-Fall verdeutlicht die wachsende Kraft passiver Investitionen. Vermögensverwalter Omar Qureshi beobachtet: Sobald ein Unternehmen zur Elite gehört, fließen automatisch Kapitalmengen zu. Dies wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Genau diese Konstellation schafft die aktuelle Anomalie: Während Milliarden über ETFs in die Aktie fließen, wächst parallel die Gruppe von Anlegern, die SpaceX bewusst meiden – sei es wegen der ehrgeizigen Bewertung oder aufgrund von Vorbehalten gegenüber Elon Musk.
Die kommenden Tage könnten deutlich mehr bedeuten als einen weiteren Meilenstein nach der Börsennotierung. Sie werden offenbaren, ob die Kombination aus passiven Mittelzuflüssen, positiven Analystenstudien und der Faszination rund um Elon Musk ausreicht, um eine Bewertung zu tragen, die bereits nahezu makellose Zukunftsaussichten eingepreist hat. Trotz eines Rückgangs von etwa 30 Prozent vom Rekordhoch bleibt die Bewertung außerordentlich anspruchsvoll.
SpaceX wird sich somit zu einem der aussagekräftigsten Indikatoren entwickeln, wie stark Erwartungen, Indexmechanismen und Anlegerpsychologie die Börse mittlerweile beeinflussen.
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