SpaceX-Börsengang: Massive Bewertungsfragen vor Analystenflut

Die SpaceX-Aktie steht vor einer entscheidenden Woche. Bislang haben sich nur elf Analysten zu dem Raumfahrtunternehmen geäußert – überwiegend von kleineren Häusern wie Wedbush und Oppenheimer. Die großen Investmentbanken haben sich noch nicht zu Wort gemeldet. Das ändert sich kommenden Dienstag, dem 7. Juli, wenn die sogenannte „Quiet Period" endet. An diesem Tag wird die Aktie zudem in den Nasdaq 100-Index aufgenommen.
Der Börsengang im Wert von 86 Milliarden US-Dollar wurde von Goldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of America, Citigroup und JPMorgan angeführt, unterstützt von 18 weiteren Instituten. Ab Dienstag sollten Investoren mit einer Flut neuer Analysen, Kurszielen und Wachstumsprognosen rechnen, die Aufschluss über die mittelfristige und langfristige Entwicklung geben könnten.
Die Bewertungsrätsel
Seit dem Börsengang am 12. Juni zu 150 Dollar ist die Aktie volatil. Sie erreichte ein Rekordhoch von 225,64 Dollar, fiel dann aber auf 157,07 Dollar zurück. Das durchschnittliche Kursziel der bisherigen elf Analysten liegt bei 217,80 Dollar, mit einer Spanne von 165 bis 401 Dollar.
Das zentrale Problem liegt in der Bewertungsmathematik. Mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis des 41-Fachen der für die nächsten zwölf Monate prognostizierten Einnahmen ist SpaceX deutlich teurer als etablierte Technologiekonzerne. Palantir, die teuerste Aktie im S&P 500 nach dieser Kennzahl, wird mit dem 32-Fachen gehandelt. Apple und Microsoft liegen unter dem 9-Fachen.
Das Unternehmen soll 2026 einen Umsatz von etwa 36 Milliarden Dollar erreichen – basierend auf frühen Schätzungen von Analysten außerhalb der Börsengang-Konsortien. Profitabel ist SpaceX derzeit nicht.
Extreme Wachstumsprognosen
Die Wall Street rechtfertigt die hohe Bewertung mit aggressiven Wachstumsprognosen. Goldman Sachs erwartet einen Gesamtumsatz von 474 Milliarden Dollar im Jahr 2030. Evercore ISI prognostiziert, dass der Umsatz bis 2031 die Billionen-Dollar-Marke überschreiten wird. Morgan Stanley soll sogar von 3,4 Billionen Dollar Umsatz im Jahr 2040 ausgegangen sein.
Vikram Rai, Portfoliomanager und Makro-Trader bei First New York, bringt die Problematik auf den Punkt: „Wenn man Prognosen so weit in die Zukunft wirft, gibt es keine Möglichkeit, sie zu überprüfen."
Veröffentlichte Schätzungen deuten darauf hin, dass SpaceX 2028 leicht profitabel werden könnte, während sich der Umsatz auf 160 Milliarden Dollar vervierfacht. Bis 2030 könnte ein Umsatzsprung von 800 Prozent erfolgen.
Skeptische Stimmen nehmen zu
Nicht alle Analysten sind optimistisch. Bloomberg Intelligence unter der Leitung von George Ferguson warnt: Selbst wenn sich der Umsatz bis 2030 fast verneunfacht und das EBITDA um das 17-Fache steigt, übersteigt die Bewertung die Kennzahlen von 2026 für Gewinngeneratoren wie Microsoft, Meta, Google und Amazon.
Nicolas Owens von Morningstar stuft die Aktie mit „Verkaufen" ein. Argus empfiehlt „Halten" und prognostiziert, dass es Jahre dauern wird, bis sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis normalisiert. CFRA-Analyst Keith Snyder sieht besonders kritisch: Er stufte die Aktie bei Aufnahme der Berichterstattung mit „Verkaufen" ein und setzte ein 12-Monats-Kursziel von 115 Dollar – unter dem IPO-Preis. Snyder begründet dies mit der hohen Marktbewertung und der erheblichen Kapitalintensität des Geschäfts.
Art Hogan, Chef-Marktstratege bei B. Riley Wealth, weist auf ein grundsätzliches Problem hin: „Alle reden darüber, was aus diesem Unternehmen im Jahr 2030 werden könnte, und nicht darüber, was es in den nächsten 12 Monaten sein könnte."
Vergleichsprobleme
Die Bewertung von SpaceX ist besonders herausfordernd, da sich das Unternehmen nicht ohne Weiteres mit traditionellen Luft- und Raumfahrtfirmen, Satellitenbetreibern, Telekommunikationsanbietern, Cloud-Infrastruktur-Herstellern oder KI-Modell-Anbietern vergleichen lässt.
Robert Gruendyke, Senior-Portfoliomanager im Growth-Equity-Team bei Allspring Global Investments, warnt vor erhöhter Volatilität: „Ein Großteil des zukünftigen Unternehmenswerts ist an Umsatzströme gebunden, die noch in gewissem Maße in der Zukunft liegen. Das wird zu einer deutlich höheren Volatilität der Aktie führen als bei den meisten etablierteren, reiferen Unternehmen."
David Trainer von New Constructs fasst die Situation zusammen: „Der Kurs ist so perfekt, dass er schon fast nicht mehr von dieser Welt ist." Er rät Investoren zur Vorsicht, da die Marktbewertung so weit von den Fundamentaldaten entfernt sei.
Die kommende Woche wird zeigen, ob die etablierten Banken diese Bedenken teilen oder die optimistischen Szenarien unterstützen werden.
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