Samsung und SK Hynix: Zwei Speicherchip-Giganten sorgen diese Woche für Marktbewegung

Samsung und SK Hynix gehören zusammen mit dem US-Konzern Micron zu den globalen Schwergewichten in der Speicherchip-Produktion. Ihre Komponenten sind für KI-Rechenzentren unverzichtbar. In der laufenden Woche stehen für beide Unternehmen Großereignisse an, die möglicherweise frischen Wind in den Technologiesektor bringen.
Samsungs Quartalsbericht: Kann das Momentum anhalten?
Am kommenden Dienstag veröffentlicht Samsung Electronics seine vorläufigen Quartalsergebnisse. Die Frage lautet: Gelingt es dem Konzern, wie andere Chiphersteller zuvor zu überzeugen und damit eine neue Rallye bei KI-Aktien auszulösen? Micron hatte am 25. Juni beeindruckende Zahlen und einen positiven Ausblick präsentiert, doch dies führte nicht zu einer breiteren Euphorie im Chipsektor. Stattdessen wandten sich Anleger defensiveren Bereichen und den etablierten Magnificent-Seven-Aktien zu. Chipwerte könnten nach ihrer starken Hausse eine Verschnaufpause brauchen.
Laut Bloomberg-Analysten wird Samsung für das im Juni endende Quartal einen vorläufigen Betriebsgewinn von 84,3 Billionen Won (55,1 Milliarden US-Dollar) erzielen – ein achtzehnfaches Plus gegenüber dem Vorjahr und eine Summe, die den gesamten Jahresgewinn 2025 übersteigt. Der Umsatz soll um 127 Prozent auf 169 Billionen Won anwachsen.
Dave Mazza, Geschäftsführer von Roundhill Financial, ordnet die Ergebnisse in einen breiteren Kontext ein: „Der Markt hinterfragt derzeit beide Seiten des Speicherchip-Geschäfts. Metas Ankündigung, überschüssige KI-Kapazitäten an externe Partner zu vermarkten, sowie Apples Gespräche mit chinesischen Lieferanten werfen Fragen zur Nachfragestabilität auf. Ein Ergebnis nahe dem Konsens würde diese Debatte zugunsten Samsungs entscheiden."
Der Speicherengpass und seine Folgen
Die explosive Nachfrage nach leistungsstarken Speicherchips, die für das Training und den Betrieb von KI-Systemen wie Claude und ChatGPT erforderlich sind, hat zu einer weltweiten Versorgungskrise geführt. Diese Verknappung trieb die Preise massiv in die Höhe – DRAM-Verkaufspreise stiegen im Quartal April bis Juni um mehr als 40 Prozent, NAND-Preise legten nach HSBC-Daten um über 50 Prozent zu. Für Speicherhersteller wie Samsung und SK Hynix bedeutet dies satte Margen, während KI-Unternehmen ihre Bezugsquellen zu diversifizieren beginnen.
Um die Kapazitäten schnell zu erhöhen, planen Samsung und SK Hynix jeweils zwei neue Chipfabriken im Südwesten Südkoreas für insgesamt 800 Billionen Won. Parallel führt Anthropic laut „The Information" Gespräche mit Samsung über eine Partnerschaft zur Entwicklung maßgeschneiderter KI-Chips.
Die 30-Tage-Volatilität eines Bloomberg-Index der 20 führenden Halbleiteraktien hat den höchsten Stand seit 2020 erreicht. Trotz Microns beeindruckender Ergebnisse bleibt die Unsicherheit groß. Jian Shi Cortesi, Fondsmanager bei Gam Investment Management, warnt: „Speicheraktien erreichen ihre Höchststände traditionell einige Monate, bevor die Speicherpreise ihren Zyklushöchststand markieren. Eine Abflachung oder Verlangsamung des Preisanstiegs könnte Abwärtsrisiken signalisieren."
Attraktive Bewertung trotz Rally
Sell-Side-Analysten bleiben optimistisch: Das durchschnittliche Bloomberg-Kursziel deutet auf ein Aufwärtspotenzial von 52 Prozent in den nächsten zwölf Monaten hin. Die Citigroup erhöhte ihr Ziel letzte Woche von 460.000 Won auf 530.000 Won – ein Anstieg von 71 Prozent zum Freitagsschluss.
Besonders bemerkenswert ist die Bewertung: Samsung wird mit dem 5,7-Fachen des erwarteten Gewinns der nächsten zwölf Monate gehandelt – nahe dem günstigsten Niveau seit Beginn der Bloomberg-Erfassung 2007. Zum Vergleich: Micron notiert beim 7-Fachen, der breite Philadelphia Semiconductor Index bei fast 24-Fachen.
Die Citigroup-Analysten unter Peter Lee äußerten sich am 2. Juli: „Während Marktbedenken bezüglich einer durch Meta verursachten Überkapazität bestehen, betrachten wir den jüngsten Kursrückgang als technische Korrektur. Die Fundamentaldaten im Speicherbereich bleiben intakt, und Server-DRAM-Preise entwickeln sich aufgrund starker CPU-Nachfrage überdurchschnittlich."
SK Hynix' US-Börsengang: Ein Game-Changer?
Ab Freitag dieser Woche wird SK Hynix als American Depositary Receipt (ADR) an der Nasdaq handelbar sein. Der Börsengang bringt dem südkoreanischen Konzern 29 Milliarden Dollar ein und öffnet US-Anlegern erstmals unkompliziert die Tür zum Unternehmen – ähnlich wie zu amerikanischen Chipaktien. Ob dies zu einer Flut von Käufen führt, bleibt offen, doch dieses Event verdient Aufmerksamkeit.
Jahrelang notierte SK Hynix mit einem Abschlag gegenüber Micron. Der Zugang zum weltweit größten Aktienmarkt und dessen Affinität für KI-Themen könnte dies ändern. Daniel Morgan, Senior-Portfoliomanager bei Synovus Trust Co., kommentiert: „Wir befinden uns in einer Phase extremer Chipaktien-Euphorie. Es ist ein guter Zeitpunkt, um US-Investoren für diese Aktien zu gewinnen."
Für amerikanische Anleger war direktes Engagement in SK Hynix bislang schwierig. Während Micron 2024 mit plus 242 Prozent den zweitbesten S&P-500-Wert darstellt und von der rasanten Nachfrage nach Hochleistungs-Speicherchips profitiert, erforderte der Direktkauf von SK-Hynix-Aktien Handel außerhalb regulärer US-Zeiten oder den Kauf illiquider, nicht gesponserten ADRs im Freiverkehr.
SK Hynix wird derzeit zum 6,2-Fachen des erwarteten Gewinns der kommenden 12 Monate gehandelt, gegenüber 7-Fachen bei Micron (nach einem 14-prozentigen Einbruch letzte Woche, der schlechtesten Performance seit März).
Di Zhou, Portfoliomanager bei Thornburg Investment Management, erklärt: „Das Angebot richtet sich an Anleger ohne bisherigen Zugang zum koreanischen Markt. Die Nasdaq-Notierung bietet direktes, reibungsloses Engagement in einem der attraktivsten reinen Speicherhersteller im KI-Speicherzyklus."
Massive Kursgewinne und Risikowarnungen
In den vergangenen 12 Monaten legten SK Hynix und Micron um etwa 700 Prozent zu, wodurch beide Unternehmen Marktkapitalisierungen über 1 Billion US-Dollar erreichten. Im Speichersektor ist dies kein Einzelfall: Sandisk führt den S&P 500 mit plus 3.676 Prozent an, Western Digital stieg um 719 Prozent, Seagate um 449 Prozent.
Ed O'Gorman, Geschäftsführer bei River Wealth Advisors, mahnt zur Vorsicht: „Anleger laufen Gefahr, sich auf eine potenzielle Spekulationsblase einzulassen. Wer in Aktien investiert, deren Kurse derart explosiv gestiegen sind, sollte sehr behutsam vorgehen."
Dennoch werden SK-Hynix-ADRs viele US-Anleger anziehen, die nach zusätzlichen Möglichkeiten suchen, von KI-Ausgaben zu profitieren. Kim Forrest, Chief Investment Officer von Bokeh Capital Partners, plant, das Angebot wegen Governance-Bedenken auszulassen, erwartet aber, dass Branchenkollegen zugreifen werden: „Es gibt viele Investoren ohne Positionen in diesem Bereich. Der Markteintritt könnte bislang Abseitsgebliebene anziehen."
Wachstumsaussichten und Kapazitätsrisiken
SK Hynix wird für 2026 einen Nettogewinn von 221 Billionen Won (144 Milliarden US-Dollar) bei 355 Billionen Won Umsatz erwartet – eine Steigerung um 415 beziehungsweise 265 Prozent gegenüber 2025. Micron wird in seinem laufenden Geschäftsjahr (bis 31. August) einen Nettogewinn-Anstieg um 876 Prozent auf etwa 83 Milliarden US-Dollar verzeichnen, bei Umsatzwachstum um 247 Prozent auf 130 Milliarden US-Dollar.
Um mit der Nachfrage Schritt zu halten, plant SK Hynix Hunderte Milliarden Dollar in zwei neue südkoreanische Produktionsstätten – wie auch Konkurrent Samsung. Der US-Börsengang hilft, diese Investitionen zu finanzieren. Allerdings birgt der Kapazitätsausbau das Risiko eines künftigen Angebotsüberhangs, sollte die Nachfrage nachlassen.
Die Speicherbranche ist für ihre Boom-und-Bust-Zyklen bekannt. Noch vor drei Jahren verzeichneten Micron und SK Hynix Verluste nach einem Nachfrageeinbruch. Ein klarer Börsengang-Vorteil: SK Hynix gewinnt Zugang zu US-Indizes, was zu Käufen durch passiv verwaltete ETFs führt. Der Invesco QQQ Trust mit seinen 482 Milliarden US-Dollar Vermögen bildet etwa den technologielastigen Nasdaq-100 ab.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob diese beiden Mega-Events dem Chipsektor neue Dynamik verleihen oder ob die Bewertungen bereits zu ambitioniert sind.
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