Donnerstag, 16. Juli 2026

Ölmarkt unter Druck: Hormus-Krise gefährdet Erholung der Versorgung

9. Juli 2026
Ölmarkt unter Druck: Hormus-Krise gefährdet Erholung der Versorgung
Ölmarkt unter Druck: Hormus-Krise gefährdet Erholung der Versorgung

Der Ölmarkt droht in einen neuen Stresstest zu geraten. Nachdem sich der Schiffstransport durch die Straße von Hormus nach einem vorläufigen Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran gerade zu erholen begann, verschärft sich die Lage erneut dramatisch. Frische Luftschläge der USA gegen den Iran und Hinweise aus Teheran auf eine mögliche erneute Blockade der strategischen Meerenge werfen ein Risiko zurück auf die Agenda, das viele Marktteilnehmer längst ad acta gelegt hatten: erhebliche Volatilität bei Rohölnotierungen mit potenziellen Auswirkungen auf Inflationsdynamiken und Finanzmärkte insgesamt.

Verkehrsfluss bricht zusammen

Die Beruhigung der Lage war nur von kurzer Dauer. Unmittelbar nach der Friedensverständigung zwischen Washington und Teheran normalisierte sich der Schiffsverkehr auf der weltweit bedeutsamsten Ölroute spürbar. Das Analyseunternehmen Kpler dokumentierte, dass in den drei Wochen nach der Einigung täglich durchschnittlich 34 Rohstoffschiffe die Meerenge passierten. Am 24. Juni wurde mit 59 Transitfahrten sogar der Höchststand seit der Wiederöffnung verzeichnet.

Diese positive Entwicklung erfuhr jedoch einen empfindlichen Dämpfer. Bloomberg-Berichten zufolge kam der Schiffsverkehr am Donnerstag nach erneuerten US-Angriffen gegen den Iran praktisch zum Erliegen. Die beobachtbaren Schiffsbewegungen konzentrierten sich überwiegend auf eine von Teheran genehmigte Route an der Nordseite der Meerenge, während der von den USA unterstützte Schifffahrtskorridor vor Oman kaum noch genutzt wurde.

Unter den größeren Fahrzeugen waren lediglich ein mit US-Sanktionen belegter Supertanker, der den Persischen Golf verließ, sowie ein unter iranischer Flagge fahrendes Containerschiff zu registrieren. Obwohl einzelne Schiffe ihre Transponder deaktiviert haben könnten, belegen die verfügbaren Daten einen deutlichen Rückgang des Verkehrsaufkommens. Am Mittwoch durchquerten nur noch 14 Rohstoffschiffe die Passage – der niedrigste Wert seit dem Friedensabkommen im Juni.

Goldman Sachs warnt vor Verzögerungen

Diese Entwicklung hat erhebliche Implikationen für den Ölmarkt. Nach Einschätzung von Goldman Sachs befindet sich die Rohölversorgung der Golfregion noch immer in einer Erholungsphase. Die Bank geht davon aus, dass die tägliche Rohölproduktion der Golfstaaten im Juni weiterhin etwa 10,5 Millionen Barrel unter dem Vorkriegsniveau lag. Zwar hätten Produzenten damit begonnen, stillgelegte Förderanlagen schrittweise zu reaktivieren, doch ohne sichere Transportwege durch die Hormus-Straße könnte sich dieser Prozess erheblich verlangsamen.

Die Analysten betonen, dass die Öltransporte durch den Persischen Golf infolge der jüngsten Tankerangriffe und der erneuten Eskalation zwischen den USA und dem Iran bereits wieder auf rund 70 Prozent des normalen Niveaus gefallen sind. Zuvor waren sie nach der Wiederöffnung der Meerenge zeitweise auf über 80 Prozent des Vorkriegsniveaus angestiegen.

Preisreaktion am Rohölmarkt

Die geopolitischen Spannungen fanden unmittelbare Entsprechung in den Rohölnotierungen. Der Brent-Rohölpreis legte am Mittwoch um mehr als fünf Prozent zu und stieg am Donnerstag zeitweise um weitere 1,5 Prozent auf über 79 US-Dollar pro Barrel. Auch die US-Referenzsorte WTI verzeichnete Gewinne und notierte erneut in der Nähe von 74 Dollar.

Bemerkenswert ist, dass die Preisbewegungen bislang weniger durch tatsächliche Produktionsausfälle als durch die Besorgnis vor neuen Lieferkettenunterbrechungen getrieben werden. Solange die Hormus-Straße nicht zuverlässig passierbar ist, bleibt unklar, wie rasch die zusätzlichen Fördermengen aus dem Golf tatsächlich die Weltmärkte erreichen.

Strategische Weggabelung

Der zukünftige Kursverlauf der Ölpreise wird maßgeblich von der Entwicklung in der Hormus-Straße abhängen. Sollten Verhandlungen zwischen Washington und Teheran fortgesetzt werden, Reedereien neue Sicherheitsgarantien erhalten und sich der Schiffsverkehr normalisieren, könnte sich die Rohölversorgung bis Ende Juli weiter stabilisieren.

Sollten die Gespräche hingegen scheitern und sich der Konflikt zuspitzen, drohen erneute Tankerangriffe oder weitere Einschränkungen des Schiffsverkehrs. Aussagen aus Teheran, wonach eine umfassende Blockade der Straße von Hormus erneut zur Diskussion steht, verschärfen dieses Szenario zusätzlich. In diesem Fall würde sich die Versorgungserholung weiter verzögern und der Aufwärtsdruck auf die Rohölpreise anhalten.

Der Fokus der Märkte liegt daher in den kommenden Tagen weniger auf den Fördermengen der OPEC-Staaten als auf eine fundamentalere Frage: Bleibt die weltweit wichtigste Ölroute offen – oder wird die Hormus-Straße erneut zum geopolitischen Engpass des globalen Energiesystems?

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