Donnerstag, 16. Juli 2026

Ölmarkt unter Druck: Spannungen in der Straße von Hormus treiben Preise in die Höhe

7. Juli 2026
Ölmarkt unter Druck: Spannungen in der Straße von Hormus treiben Preise in die Höhe
Ölmarkt unter Druck: Spannungen in der Straße von Hormus treiben Preise in die Höhe

Die Rohölpreise zeigen Aufwärtsbewegung nach neuerlichen Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus. Innerhalb von zwei Stunden stieg die Brent-Referenzsorte von 72,60 auf 73,93 Dollar je Barrel. Hintergrund sind mehrere Anschläge auf Tanker, die iranische Behörden offenbar durchgeführt haben, sowie wachsende Befürchtungen, dass vermehrt Schiffe von der Passage durch die strategisch wichtige Meerenge abgehalten werden könnten.

Der Flüssigerdgas-Tanker „Al Rekayyat" wurde nach Angaben von Bloomberg in der Nähe der omanischen Küste beim Ausfahren aus der Meerenge von einem Geschoss getroffen. Parallel erlitt ein saudi-arabischer Öltanker Beschädigungen. Der internationale Schifffahrtsverband signalisierte, dass die Transitmengen durch die Straße von Hormus infolge der jüngsten Zwischenfälle möglicherweise sinken werden, obgleich einige Reedereien bereit bleiben, die damit verbundenen Risiken einzugehen. Ein Konvoi verschiedener Schiffe, darunter Öltanker, war an diesem Tag entlang der omanischen Küste unterwegs.

Geopolitische Dimensionen des Konflikts

Die Meerenge verbindet die Ölproduzenten am Persischen Golf mit den Weltmärkten. Nach einer kriegsbedingten fast vollständigen Blockade wurde die Durchfahrt teilweise wiederhergestellt. Allerdings bleibt das Transportvolumen weiterhin deutlich unter den Niveaus vor Ausbruch des Konflikts zwischen den USA und dem Iran.

Während des zweiten Quartals war der Ölpreis um 30 Prozent gefallen, nachdem Washington und Teheran ein vorläufiges Friedensabkommen unterzeichneten. Dies reduzierte die Besorgnis über Versorgungsengpässe aus der Region erheblich. Die Brent-Sorte hat den in den Vormonaten aufgebauten „Kriegsprämie" vollständig abgebaut. Prominente Institute wie die Goldman Sachs Group und Morgan Stanley warnen inzwischen vor einem erneuten Überangebot am Markt.

Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei der ING Groep NV in Singapur, kommentiert die aktuelle Lage: „Die gegenwärtigen Anschläge auf Schiffe im Persischen Golf zeigen, dass eine echte Normalisierung noch in weiter Ferne liegt. Sollte die amerikanische Reaktion moderat ausfallen, könnte dies dem Ölpreis kurzfristig Auftrieb verleihen. Angesichts der pessimistischen Marktstimmung und der Schwäche bei physischen Transaktionen dürften Kursgewinne jedoch nur begrenzte Dauer haben."

Verhandlungen unter Druck

Der iranische Außenminister Abbas Araghchi erklärte in einer Social-Media-Mitteilung, dass Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen mit den USA nicht voranschreiten würden, falls die Bedrohungen fortdauerten. Diese Stellungnahme bezieht sich offenbar auf die bestehende Absichtserklärung mit Washington, ohne dass konkrete Details genannt wurden. Die gegenwärtige Situation deutet darauf hin, dass der Iran die Kontrolle über die Meerenge als Verhandlungsmasse in den kommenden Gesprächen nutzen könnte.

Diese Woche finden in Teheran Massentrauerfeiern für den verstorbenen Obersten Führer Ali Khamenei statt, der zu Beginn des Krieges durch einen Luftangriff getötet wurde. Der Zeitpunkt der aktuellen Anschläge erfolgt unmittelbar vor intensiveren Verhandlungen mit Washington, was auf eine bewusste Machtdemonstration hindeutet.

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