Goldman Sachs sieht Kapitalintensive Unternehmen im Aufwind – Gewinnleistung statt Bewertungsexpansion

Kapitalintensive Werte setzen sich durch
Die Strategen von Goldman Sachs rechnen damit, dass Unternehmen mit hohem Kapitalaufwand in der anstehenden Gewinnberichtssaison für das zweite Quartal mit soliden Resultaten aufwarten werden. Damit dürften sie jene Konkurrenten deutlich hinter sich lassen, deren Geschäftsmodelle stärker auf personelle oder digitale Ressourcen ausgerichtet sind. Dem Team um Guillaume Jaisson zufolge bleiben Investoren bislang unterpositioniert für ein Szenario, in dem physische Vermögenswerte, Infrastrukturprojekte und industrielle Kapazitäten wieder strategisches Gewicht erlangen.
Marktsignale und Performance-Divergenz
Ein Portfolio europäischer kapitalintensiver Unternehmen – einschließlich Versorger und Energiekonzerne – hat im laufenden Jahr einen Wertzuwachs von 15 Prozent verzeichnet. Demgegenüber verlor ein Index kapitalarmer Aktien 2 Prozent an Wert, da Marktakteure die Bewertungsniveaus von Künstliche-Intelligenz-Titeln kritischer hinterfragen.
Die Gewinnprognosen spiegeln diese Divergenz wider: Kapitalintensive Unternehmen verzeichneten bislang die kräftigsten Anhebungen der Gewinnschätzungen. Jaisson merkt an, dass die Erwartungshaltung zwar hoch sei, das Potenzial für weitere Gewinnerweiterungen aber ebenso beachtlich ausfalle. „Die nächste Performancephase benötigt keine zusätzliche Expansion der Kurs-Gewinn-Verhältnisse oder erhebliche Gewinnsprünge. Entscheidend ist allein die Realisierung der prognostizierten Ergebnisse", so die Einschätzung.
Europäische Rotation und Marktdynamik
Nachdem europäische Aktien seit März hinter ihren US-amerikanischen Pendants zurückgeblieben waren, übernahmen sie im Juni die Führungsrolle. Hintergrund ist eine Umschichtung weg von Halbleiterherstellern. Sinkende Rohölnotierungen verbesserten zudem die Aussichten für konjunkturabhängige Sektoren, die in Europa stärker vertreten sind als auf dem technologielastigen US-Markt. Analysten von Barclays und der Deutschen Bank haben ihre Jahreszielen für europäische Aktienindizes kürzlich angehoben.
Der HALO-Trade: Neue Qualitätsphase
Der sogenannte „HALO"-Trade – das Akronym steht für „Heavy Assets, Low Obsolescence" – betritt laut Jaisson eine „nachhaltigere Phase", in welcher die Gewinnentwicklung stärker als eine breite Bewertungserweiterung die Wertentwicklung bestimmen wird.
Diese Dynamik dürfte zu einer größeren Streuung zwischen profitablen und weniger erfolgreichen Positionen führen – selbst innerhalb des kapitalintensiven Segments. Der Aktienbaukasten von Goldman umfasst Titel wie Infineon, Rolls-Royce und Airbus. Die kapitalarmen Vergleichswerte beinhalten unter anderem Adidas, British American Tobacco und Danone.
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