Donnerstag, 16. Juli 2026

Zinserhöhungserwartungen im Fokus: EZB und BoE unter Druck durch Geopolitik und Ölpreise

14. Juli 2026
Zinserhöhungserwartungen im Fokus: EZB und BoE unter Druck durch Geopolitik und Ölpreise
Zinserhöhungserwartungen im Fokus: EZB und BoE unter Druck durch Geopolitik und Ölpreise

Die Geldmärkte preisen angesichts geopolitischer Spannungen zunehmend weitere Zinsschritte durch europäische Notenbanken ein. Besonders die jüngsten Entwicklungen im Nahost-Konflikt sorgen für Bewegung in den Markterwartungen.

Ölpreis-Schock schärft Inflationsängste

Der Brent-Ölpreis ist innerhalb von nur 16 Stunden um 8 Dollar gestiegen. Auslöser sind die erneuten Spannungen zwischen dem Iran und den USA sowie die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Vereinigten Staaten würden künftig als Schutzherr der Straße von Hormus fungieren und 20 Prozent Durchfahrtsgebühren auf alle transportierten Waren erheben. Eine solche Maßnahme hätte weltweit massive Preistreiber-Effekte: Transportunternehmen würden die zusätzlichen Kosten an ihre Kunden weitergeben, was sich an Tankstellen, in Supermärkten und anderen Bereichen des Einzelhandels niederschlagen würde.

Ob Trump diese Gebühr tatsächlich umsetzt und damit auch seine Golf-Alliierten vor den Kopf stoßen würde, bleibt fraglich. Doch bereits die Eskalation des Iran-USA-Konflikts selbst wirkt preistreibend.

EZB könnte früher handeln

Die Europäische Zentralbank hatte nach einer einjährigen Pause vor etwa vier Wochen erstmals wieder die Leitzinsen angehoben – der Einlagensatz stieg von 2,0 auf 2,25 Prozent. Die zentrale Frage lautet nun: Wird die EZB bei ihrer Entscheidung am kommenden Donnerstag erneut zugreifen, oder wartet sie bis September?

Falls die Notenbank präventiv einem drohenden Inflationsschub begegnen möchte, könnte bereits nächste Woche eine Zinserhöhung erfolgen. Heute Nachmittag um 14:30 Uhr wird die US-Inflationsmeldung veröffentlicht – ein wichtiger Datenpunkt. Zudem stehen ab 18 Uhr mehrere Reden von Fed-Direktoren an, darunter Aussagen des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh.

Marktwetten verdichten sich

Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Federal Reserve noch im Juli ist gestern von 40 auf 50 Prozent gestiegen. Auch die Erwartungen an andere Notenbanken verschärfen sich.

Händler preisen für die Bank of England erstmals seit einem Monat einen Zinsschritt um 25 Basispunkte bis September vollständig ein, gefolgt von einer weiteren Erhöhung bis Jahresende. Bei der EZB erwarten die Geldmärkte eine Anhebung um 25 Basispunkte im September, wobei eine zusätzliche Straffung bis Jahresende als nahezu sicher gilt.

Zu Beginn des Monats, als die Ölpreise von ihrem April-Hoch von über 126 Dollar pro Barrel auf 70 Dollar gefallen waren, preisten Swaps für BoE und EZB bis Ende nächsten Jahres weniger als einen Viertelpunkt Zinsanhebung ein. Die neuerliche Blockade iranischer Schiffe durch die US-Regierung an der Straße von Hormus hat diese Ruhe nun gründlich zerstört.

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