Donnerstag, 16. Juli 2026

Chinas Industrie zeigt Risse: Exportaufträge schwächer, Hochtech trägt

3. Juli 2026
Chinas Industrie zeigt Risse: Exportaufträge schwächer, Hochtech trägt
Chinas Industrie zeigt Risse: Exportaufträge schwächer, Hochtech trägt

Chinas Industrie hat sich im Juni zwar oberhalb der Wachstumsschwelle behauptet, doch die Erholung verläuft uneinheitlich. Der offizielle Einkaufsmanagerindex des chinesischen Statistikbüros (NBS) kletterte um 0,3 Punkte auf 50,3, während der private S&P/RatingDog-Index leicht um 0,1 Punkte auf 51,7 nachgab. Trotz dieser Abschwächung verbleibt der S&P/RatingDog-Index bereits den siebten Monat in Folge über der 50er-Marke und deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von 50,8 Punkten seit 2004. Die Spanne zwischen beiden Indizes verringerte sich von 1,8 auf 1,4 Punkte.

Produktion stabil, aber Exportdynamik erlahmt

Bei der Produktion zeichnet sich ein konsistenteres Bild ab. Der NBS-Produktionsindex legte um 0,2 Punkte auf 51,4 zu und deutet auf gestiegenes Expansionstempo hin. S&P/RatingDog meldet ebenfalls Produktionswachstum, allerdings verlangsamte sich das Tempo auf den niedrigsten Wert seit drei Monaten. Im zweiten Quartal insgesamt verzeichnete das Panel die kräftigste Produktionsausweitung seit dem zweiten Quartal 2024.

Besorgniserregend ist hingegen die Außennachfrage. S&P/RatingDog dokumentiert im Juni einen über das saisonal Übliche hinausgehenden Rückgang der Exportaufträge. Dies lässt vermuten, dass sich das internationale Nachfrageumfeld eintrübt, obwohl die Inlandsproduktion stabil bleibt. Chinesische Exporteure geraten zunehmend unter Druck.

Teilweise erklären sich diese Rückgänge durch Vorzieheffekte aus den Vormonaten. Der bis Juli befristete Waffenstillstand zwischen den USA und China, die Belieferung mit Merchandise zur Fußball-Weltmeisterschaft sowie das Auslaufen der De-minimis-Regelungen in den USA und der EU hatten zu ausgeprägtem Frontloading geführt. Viele Exporte wurden entsprechend vorgezogen, wodurch dieser Effekt nun auslauft und die Juni-Auftragseingänge belastet. Die amerikanische National Retail Federation untermauert diese Interpretation: Sie hat ihren erwarteten Importhöhepunkt bereits von Juli auf Juni vorgezogen und erwartet für Juli einen Rückgang der US-Importvolumina um 3 Prozent.

Binnennachfrage belebt sich leicht, Beschäftigung uneinheitlich

Während die Exportnachfrage nachlässt, deuten S&P/RatingDog-Daten auf eine leichte Belebung der Inlandsnachfrage hin. Dies ging mit dem ersten Beschäftigungsanstieg seit drei Monaten einher. Allerdings beschränkt sich dieser Trend auf den privaten Sektor. Der offizielle Bericht des Statistikamts weist für größere, überwiegend staatliche Unternehmen weiterhin Stellenabbau aus.

Die Hightech-Industrie bleibt Wachstumstreiber. Ihr Einkaufsmanagerindex stieg im Juni auf 53,5 Punkte und verbleibt den vierten Monat in Folge im Expansionsbereich. Der Ausrüstungsbau entwickelte sich mit einem Quartalsdurchschnitt von 52,1 Punkten ebenfalls überdurchschnittlich.

Strukturelle Zweiteilung verfestigt sich

Diese Entwicklung unterstreicht die zunehmende strukturelle Spaltung der chinesischen Industrie. Technologieintensive Branchen wachsen deutlich schneller als der Gesamtsektor, doch ihre Dynamik reicht bislang nicht aus, um die anhaltende Schwäche traditioneller Industriezweige und die Arbeitsmarktprobleme auszugleichen.

Bei den Lieferzeiten zeigen beide Umfragen ähnliche Tendenzen, wobei sich die Entwicklung im Juni weiter abschwächte. Der NBS-Index stieg um 0,7 Punkte auf 49,9 und nähert sich der Expansionsmarke an. S&P/RatingDog registrierte bereits den vierten Monat in Folge längere Lieferzeiten, doch die Verlängerung fiel so gering aus wie innerhalb dieser Serie noch nie.

Rohstofflager und Fertigwaren divergieren

Bei den Lagerbeständen zeigt sich eine Divergenz zwischen den beiden Erhebungen. Nach NBS-Daten bauten Unternehmen ihre Rohstofflager infolge des USA/Iran-Krieges weiter ab, der entsprechende Index sank um 0,2 Punkte auf 48,4. S&P/RatingDog verzeichnete hingegen den siebten Anstieg der Einkaufsmengen in Folge – gemeinsam mit einer Serie aus 2007 die längste seit Erhebungsbeginn. Gleichzeitig nahmen auch die Fertigwarenbestände den dritten Monat in Folge zu.

Preisdruck zeigt erste Risse

Uneinheitlich fällt die Entwicklung der Inputpreise aus. Im verarbeitenden Gewerbe sank der Einkaufspreisindex des Statistikamts auf 54,2 Punkte, bereits den dritten Monat rückläufig nach einem März-Hoch von 63,9. Der Abwerkpreisindex fiel erstmals seit sechs Monaten unter die 50er-Marke auf 48,2 Punkte – ein erstes Zeichen für Margendruck bei chinesischen Herstellern. Im nicht verarbeitenden Sektor sank der Wert um 2,5 Punkte auf 49,7 und unterschritt damit erstmals seit längerer Zeit die Expansionsmarke. S&P/RatingDog meldete dagegen den zwölften Anstieg der Inputpreise in Folge, die längste Phase steigender Beschaffungskosten seit der ersten Jahreshälfte 2022. Der Preisauftrieb verlangsamte sich jedoch und fiel so schwach aus wie zuletzt im Januar.

Breite Erholung bleibt aus

Unter dem Strich bestätigen beide Einkaufsmanagerindizes eine Industrieentwicklung, die sich zwar oberhalb der Wachstumsschwelle stabilisiert, in ihrer Zusammensetzung jedoch zunehmend auseinanderdriftet. Während technologieintensive Branchen sowie größere, häufig staatsnahe Unternehmen die Produktion stützen, bleibt die Lage kleiner Unternehmen angespannt. Im S&P/RatingDog-Panel lässt deren Aktivität bereits den dritten Monat in Folge ohne Gegenbewegung nach.

Das wirtschaftspolitische Problem verschärft sich damit. Die Industrie wächst zwar wieder, doch die entscheidende Frage lautet zunehmend nicht mehr, ob produziert wird, sondern wer vom Wachstum profitiert. Die PMI-Daten deuten darauf hin, dass sich die Erholung bislang auf wenige Bereiche konzentriert und in der Breite der Wirtschaft noch nicht Fuß gefasst hat.

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