DAX unter Druck: Geopolitische Spannungen und Inflationsdaten als Wochenschwerpunkte

Geopolitische Turbulenzen belasten den Handelsauftakt
Zum Start in die neue Woche zeigt sich der DAX unter Druck. Hintergrund sind die über das Wochenende verschärften Spannungen im Iran-Konflikt. Bereits am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump die bestehende Waffenruhe öffentlich angezweifelt und damit die Anspannungen verschärft. Im Wochenverlauf folgten weitere Raketen- und Drohnenanschläge sowie die erneute Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran. Diese Entwicklungen haben zu deutlichen Ölpreisaufschlägen geführt, was die Aktienmärkte zu Wochenbeginn belastet. Der DAX notiert vorbörslich wieder unterhalb der psychologisch bedeutsamen 25.000-Punkte-Marke.
Die zentrale Frage für Marktteilnehmer lautet, ob es sich um eine vorübergehende Reaktion auf die geopolitische Zuspitzung handelt oder ob nach der jüngsten Erholungsbewegung bereits eine neue Schwächephase einzuleiten beginnt.
Inflationsdaten und Unternehmensberichte im Fokus
Fundamental bietet die anstehende Woche mehrere Richtungsentscheidungen. Den Anfang machen die US-Verbraucherpreise am Dienstag, gefolgt von den Erzeugerpreisen am Mittwoch. Am Markt wird derzeit mit anhaltend erhöhten US-Zinsniveaus kalkuliert, wobei für den Herbst eine mögliche weitere Zinserhöhung nicht ausgeschlossen wird. Sollten die Preisdaten über den Erwartungen liegen, könnte sich dieses Szenario verfestigen und zu höheren Finanzierungskosten sowie Bewertungsrückgängen im Aktienbereich führen.
Parallel beginnt die US-Berichtssaison mit den großen Finanzinstituten. JPMorgan, Goldman Sachs, Citigroup, Bank of America und Wells Fargo präsentieren am Dienstag ihre Quartalsergebnisse, Morgan Stanley folgt am Mittwoch. Für die künstliche Intelligenz-Rally sind die Zahlen von ASML und TSMC am Mittwoch beziehungsweise Donnerstag von besonderer Relevanz, da beide Unternehmen als Indikatoren für die Dynamik der KI-Investitionen gelten. Enttäuschende Ausblicke könnten die zuletzt nervöser gewordene Stimmung im Technologiesektor zusätzlich belasten.
Ölpreis als entscheidender Gradmesser
Der Ölmarkt rückt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Während die Finanzmärkte jüngste Konfrontationen bemerkenswert zügig verdaut haben, könnte ein nachhaltiger Anstieg des Brent-Preises den Inflationsdruck erhöhen und damit das Zinsrisiko verschärfen – ein direktes Hindernis für Aktienrallys. Am Montagmorgen steigt Brent-Öl bereits um rund vier Prozent auf über 79 Dollar und nähert sich damit den Vorwochenhochs.
Charttechnische Ausgangslage
Aus technischer Perspektive hat sich die Situation zum Wochenstart verschärft. Der DAX fiel im außerbörslichen Handel zeitweise unter 24.800 Punkte und dürfte mit einem Abwärtsgap in den regulären Handel starten. Ein klares technisches Stabilisierungssignal fehlt bislang.
Aufwärtszenario: Gelingt es dem DAX, die Zone um die 50-Tage-Linie zwischen 24.807 und 24.775 Punkten zu behaupten, könnte eine Gegenbewegung entstehen. Erste Ziele lägen zwischen 24.975 und 25.000 Punkten, wo mit erhöhtem Verkaufsdruck zu rechnen ist. Ein Durchbruch über die runde Marke könnte bis zum offenen Gap bei 25.067 Punkten führen. Erst ein Ausbruch über 25.175 Punkte würde das Chartbild aufhellen und weitere Aufwärtsziele freisetzen.
Abwärtszenario: Ein Bruch der Unterstützungszone zwischen 24.807 und 24.775 Punkten könnte den Verkaufsdruck intensivieren und den Index in Richtung 24.600 bis 24.545 Punkte treiben. In diesem Bereich wäre mit einer technischen Gegenbewegung zu rechnen. Fällt diese schwach aus, könnte die 200-Tage-Linie bei rund 24.320 Punkten zum Ziel werden.
Widerstände: 24.937, 25.067, 25.175, 25.195, 25.280 Punkte
Unterstützungen: 24.830, 24.770, 24.690, 24.600, 24.545, 24.358 Punkte
Fazit: Woche als Prüfstein für die Rally
Insgesamt sprechen die Fundamentaldaten weiterhin für eine konstruktive Marktlage. Allerdings wird die kommende Woche zu einem echten Belastungstest für die laufende Aufwärtsbewegung. Während geopolitische Risiken zuletzt überraschend robust bewältigt wurden, könnten Inflationszahlen und Unternehmensergebnisse nun darüber entscheiden, ob der DAX seine Rekordjagd fortsetzt oder zunächst eine ausgedehntere Konsolidierung einleitet.
Hinweis: Die Marktanalysen und charttechnischen Bewertungen in diesem Artikel dienen ausschließlich informatorischen Zwecken und stellen weder Anlageberatung noch Handelsempfehlungen dar.
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