Gewinnsaison im Fokus: Chancen jenseits der Mega-Konzerne

Starke Gewinne treffen auf moderate Bewertungen
Die Berichtssaison könnte sich zu einem Katalysator für breitere Marktgewinne entwickeln. Während die Unternehmensgewinne weiterhin kräftig expandieren, sind die Aktienkurse vieler Unternehmen nicht im gleichen Tempo gestiegen. Dies führt dazu, dass in verschiedenen Marktsegmenten akzeptable Bewertungsniveaus zu finden sind – insbesondere außerhalb der großkapitalisierten Technologiewerte.
Bankensektor gibt positiven Auftakt
Der Startschuss für die Gewinnsaison verlief vielversprechend: Fünf führende US-Banken präsentierten durchweg starke Quartalsergebnisse. Parallel dazu dürften Ölkonzerne in Europa und Nordamerika vom deutlich gestiegenen Ölpreis im zweiten Quartal profitiert haben und entsprechend solide Zahlen melden.
Hyperscaler im Blickpunkt
Die kritische Frage für die kommenden Wochen lautet: Wie werden Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta ihre KI-Investitionen gestalten, wenn sie Ende Juli ihre Ergebnisse veröffentlichen? Sollten diese Unternehmen ihre Ausgaben weiter erhöhen, könnte dies der gesamten Chipbranche zusätzlichen Auftrieb geben und dem US-Markt einen kräftigen Schub verleihen. ASML, als zentraler Ausrüster der Chiphersteller, hat bereits mit starken Zahlen und Ausblicken vorgelegt.
Attraktive Bewertungen in zweiter und dritter Reihe
Jenseits der Mega-Konzerne zeigt sich ein interessantes Bild: Mittlere und kleinere US-Unternehmen, der breite europäische Aktienmarkt sowie Schwellenländer weisen deutlich niedrigere Kurs-Gewinn-Verhältnisse auf als die amerikanischen Megacaps. Sollten diese weniger beachteten Segmente in der aktuellen Berichtssaison solides Gewinnwachstum demonstrieren, könnte dies erhebliche Chancen eröffnen.
Experte sieht Potenzial für breitere Marktbewegung
Stephen Dover, Chefmarktstratege des Franklin Templeton Institute, sieht in den Gewinnen den Haupttreiber für seinen positiven Ausblick. Nach seiner Einschätzung sollte der Gewinn pro Aktie des S&P 500 in diesem Jahr um rund 15 Prozent steigen. Besonders bemerkenswert: Obwohl der S&P-500-Index in der ersten Jahreshälfte 2026 um knapp 7 Prozent zulegte, ist sein erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis gesunken. Dies deutet darauf hin, dass Gewinnzuwächse – nicht Bewertungsexpansion – den Marktanstieg vorangetrieben haben. Trotz erhöhter geopolitischer Risiken haben Anleger Disziplin bewahrt, und der US-Markt wirkt nicht überbewertet.
Rotation zu Small-Caps und Schwellenländern erwartet
Dover rechnet damit, dass sich die Marktführerschaft in der zweiten Jahreshälfte 2026 über Large-Cap-Technologiewerte hinaus ausweiten wird. Verbessernde Gewinne machen US-Small- und Mid-Cap-Aktien, Schwellenländer und Japan attraktiver. Die bisherigen Jahresrenditen unterstreichen diesen Trend: Der Russell 2000 Value Index führte mit einem Plus von knapp 17 Prozent die wichtigsten Indizes an, getragen durch Gewinnzuwächse von über 40 Prozent.
Ein ähnliches Muster zeigt sich international. Der MSCI Emerging Markets Index ist seit Jahresbeginn um fast 20 Prozent gestiegen, gestützt durch Gewinnwachstum von bis zu knapp 40 Prozent für 2026 und 2027. Dabei bleiben die Bewertungen attraktiv: Während der S&P 500 mit dem 21-fachen der erwarteten Gewinne notiert, wird der MSCI Emerging Markets Index mit dem 13-fachen gehandelt und bietet eine Dividendenrendite von knapp 3 Prozent.
Untergewichtung könnte Rückenwind geben
Viele globale Anleger sind nach Jahren relativer Underperformance in Schwellenländern weiterhin untergewichtet. Nach Dovers Ansicht schafft diese Untergewichtung einen potenziellen Rückenwind: Selbst eine moderate Umschichtung von Kapitalströmen könnte die Renditen erheblich unterstützen.
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