Donnerstag, 21. Mai 2026

Wall Street unter Druck: Bank of America warnt vor Überhitzung der KI-Rally

18. Mai 2026
Wall Street unter Druck: Bank of America warnt vor Überhitzung der KI-Rally
Wall Street unter Druck: Bank of America warnt vor Überhitzung der KI-Rally

Während die Künstliche Intelligenz weiterhin das Marktgeschehen dominiert, mehren sich an der Wall Street die Anzeichen einer Überhitzung. Eine aktuelle Befragung der Bank of America offenbart ein besorgniserregendes Bild: Fondsmanager haben ihre Aktienallokationen im Mai drastisch ausgebaut – die Netto-Übergewichtung sprang von 13 auf 50 Prozent innerhalb eines Monats und markiert damit den höchsten Wert seit Anfang 2022.

Besonders auffällig ist die Liquiditätssituation: Die durchschnittliche Kassenquote der befragten Investoren ist auf lediglich 3,9 Prozent gefallen, wie Bloomberg berichtet. Für viele Marktbeobachter ein klassisches Warnsignal dafür, dass die Marktstimmung extreme Ausprägungen angenommen hat.

Halbleiter als am stärksten überlaufener Sektor

Die Rallye wurde zuletzt durch robuste Unternehmensgewinne, Deeskalationshoffnungen im Iran-Konflikt und die ungebrochen starke Nachfrage nach KI-Technologien angetrieben. Besonders Halbleiterwerte zeigten spektakuläre Zuwächse: Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) legte seit Ende März um knapp 50 Prozent zu. Nach Einschätzung der Bank of America haben sich Chip-Aktien damit zum am weitesten überkauften Segment am Markt entwickelt.

Darin liegt jedoch ein grundlegendes Problem: Wenn praktisch alle Marktteilnehmer bereits vollständig investiert sind, fehlt es an neuer Kaufkraft, um die Kurse weiter anzutreiben. Dieses Muster wird an der Wall Street häufig als klassisches Indiz für eine Börsenrallye am Ende ihres Zyklus interpretiert.

Chefstratege warnt vor Gewinnmitnahmen

Michael Hartnett, Chefstratege der Bank of America, äußert sich zunehmend vorsichtig. Die „Kapitulation der Bären" sei nahezu abgeschlossen, diagnostiziert er. Für Anfang Juni erwartet er daher verstärkte Gewinnrealisierungen bei US-Aktien.

Zusätzliche Belastung kommt vom Renditemarkt: Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sind deutlich gestiegen, getrieben durch höhere Energiepreise infolge des Iran-Konflikts und damit verbundene Inflationssorgen. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte auf rund 5,15 Prozent. Mehr als 60 Prozent der von der Bank of America befragten Manager rechnen mit einem weiteren Anstieg über die Sechs-Prozent-Marke.

Renditen als Bremsfaktor für Tech-Werte

Für hochbewertete Technologie- und KI-Aktien werden steigende Renditen zum zunehmenden Problem. Sie verteuern Finanzierungskosten und machen festverzinsliche Wertpapiere relativ attraktiver. Erste Ermüdungserscheinungen der KI-Bewegung sind bereits sichtbar: Der Nasdaq 100 könnte heute seinen dritten Handelstag in Folge mit Verlusten abschließen, während der S&P 500 deutlich von seinen Rekordhöhen vom vergangenen Donnerstag zurückgekommen ist. Halbleiter- und KI-Werte geraten verstärkt unter Verkaufsdruck.

Kapitalabfluss aus Europa beschleunigt sich

Ein weiteres Phänomen zeigt sich bei der regionalen Allokation: Der Optimismus für das europäische Wirtschaftswachstum ist laut dem Strategenteam um Andreas Bruckner so stark gesunken wie zuletzt im Oktober 2024. Dies führt zu erheblichen Kapitalumschichtungen gen Westen. „Dies stellt eine der stärksten Umschichtungen aus Europa in die USA dar, die jemals in den bis 1999 zurückreichenden Daten beobachtet wurden", konstatiert das Team der Bank of America.

Die aktuelle Umfrage zeichnet somit ein paradoxes Bild: Die Wall Street profitiert zwar weiterhin massiv vom KI-Boom, gleichzeitig nehmen kurzfristige Risiken durch explodierende Renditen, überhitzte Stimmungsindikatoren und erste Schwächesignale bei den großen Indizes deutlich zu. Der Renditeanstieg könnte sich damit zur größten Bedrohung für die bislang scheinbar unaufhaltsame KI-Rally entwickeln.

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