USA-Iran-Verhandlungen: Hoffnung auf Entspannung, doch Ölkrise könnte anhalten

Die Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts in der Straße von Hormus zeigen erste Anzeichen einer Annäherung, doch Experten warnen vor zu großem Optimismus bezüglich der Entspannung auf den Rohstoffmärkten. Während Washington von substanziellen Fortschritten in den Gesprächen mit Teheran berichtet und eine graduelles Öffnen der kritischen Handelsroute vorbereitet, bleibt die Situation für Energiemärkte und Schifffahrt angespannt.
Diplomatische Signale aus Washington und Teheran
Präsident Donald Trump hat die Initiative „Project Freedom" zur Begleitung von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus ausgesetzt und verweist dabei auf „bedeutende Fortschritte" in den Verhandlungen mit dem Iran. Nach Berichten von Axios liegt ein 14-Punkte-Katalog vor, der eine Waffenruhe, die schrittweise Freigabe der Straße von Hormus, mögliche Sanktionserleichterungen und Diskussionen zur iranischen Urananreicherung vorsieht.
Der Iran hat den Vorschlag zwar indirekt zur Prüfung bestätigt, eine endgültige Zusage steht jedoch noch aus. Die Reaktionen aus Teheran fallen deutlich verhaltener aus als die zuversichtlichen Äußerungen aus Washington. Diese Diskrepanz spiegelt sich auch in der Schifffahrtsbranche wider: Viele Reedereien meiden das Gebiet weiterhin, da die Sicherheitslage als ungewiss eingestuft wird. Die Blockade iranischer Häfen wurde offenbar bislang nicht aufgehoben und dürfte erst nach einer formalen Absichtserklärung gelockert werden.
Verzögerte Normalisierung trotz Einigung
Laut Bloomberg-Berichterstattung und Analysen von RBC Capital Markets könnte eine Vereinbarung zwischen Washington und Teheran selbst im Erfolgsfall keine zügige Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus bewirken. Die Experten um Helima Croft gehen davon aus, dass eine solche Einigung „voraussichtlich nicht zu einer sofortigen Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs und zu umfangreichen Produktionsneustarts führen" werde.
Nach gegenwärtigen Einschätzungen könnte eine mögliche 30-tägige Verhandlungsphase zu Ausfällen von etwa 450 Millionen Barrel Rohöl und Raffinerieprodukte führen. RBC warnt zudem, dass die Schlagzeilen über ein mögliches Konfliktende zwar die Terminpreise belastet haben, gleichzeitig aber „die notwendige Nachfragereduktion erschweren, um die massive Angebotsunterbrechung vor dem Sommer auszugleichen".
Neue Absichtserklärung im Gespräch
Am Mittwoch haben sich die USA und der Iran einem neuen Lösungsvorschlag angenähert. Washington hat nach Angaben einer mit dem Thema vertrauten Person bereits eine prägnante Absichtserklärung vorgelegt. Diese sieht eine schrittweise Wiedereröffnung der Straße von Hormus und die Aufhebung der amerikanischen Blockade iranischer Häfen vor. Tiefergehende Verhandlungen über das iranische Atomprogramm sollen erst später beginnen.
Marktreaktionen
Die jüngsten Entwicklungen haben die Finanzmärkte merklich beeinflusst. An den Aktienbörsen setzte sich die Aufwärtsbewegung fort, wobei die großen US-Indizes S&P 500 und Nasdaq 100 neue Höchststände erreichten, gestützt durch die zuletzt deutlich gefallenen Ölnotierungen. Brent-Rohöl notierte am Donnerstagmorgen bei 101,85 Dollar, ein Plus von 0,6% gegenüber dem Vorabend. Am Mittwoch war der Preis für Nordsee-Öl um 7,8% gefallen, nachdem er bereits am Vortag ein Minus von 4% verzeichnet hatte.
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