Mittwoch, 20. Mai 2026

SpaceX-Börsengang: Wenn FOMO-Angst die Bewertung treibt

18. Mai 2026
SpaceX-Börsengang: Wenn FOMO-Angst die Bewertung treibt
SpaceX-Börsengang: Wenn FOMO-Angst die Bewertung treibt

Der nächste Mega-IPO am Horizont?

An der Wall Street verdichten sich die Signale: Der Börsengang von SpaceX könnte unmittelbar bevorstehen. Medienberichte deuten auf einen möglichen Termin im Juni 2026 hin, wobei offizielle SEC-Unterlagen noch ausstehen. Sollte es tatsächlich zur Platzierung kommen, könnte dies den Finanzmarkt erheblich in Bewegung versetzen. Laut Bloomberg strebt das Raumfahrtunternehmen intern eine Bewertung von über 2 Billionen Dollar an — was es zum größten Börsengang aller Zeiten machen würde und sämtliche bisherigen Rekorde übertreffen würde.

Starlink als Wachstumsmotor

Die Grundlagen für diese ambitionierte Bewertung sind durchaus vorhanden. Das Satelliteninternet-Netzwerk Starlink entwickelt sich zum zentralen Treiber des Unternehmens und verzeichnet starkes Wachstum nicht nur bei Privatkunden, sondern auch in den Segmenten Regierung, Militär, Luftfahrt und Infrastruktur. Hinzu kommt SpaceX' Marktdominanz bei wiederverwendbaren Raketen: Mit der Falcon 9 kontrolliert das Unternehmen große Teile des globalen Raketenmarktes und verfügt damit über erhebliche Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten wie Blue Origin.

Der „Musk-Aufschlag" als Bewertungsfaktor

Doch ein erheblicher Teil der angestrebten Bewertung basiert auf einem immateriellen Faktor: Elon Musk selbst. Der Tesla-Chef hat sich an den Kapitalmärkten einen enormen Vertrauensvorschuss erarbeitet. Investoren wetten darauf, dass Musk auch bei SpaceX technologische Umbrüche monetarisieren kann — ähnlich wie bei Tesla geschehen. Dieser sogenannte „Musk-Aufschlag" hat bereits dazu geführt, dass Tesla von Analysten weniger als klassischer Autohersteller und mehr als KI-, Robotik- und Technologiekonzern bewertet wird.

Aswath Damodaran, Finanzprofessor an der New York University und renommierter Bewertungsexperte, bescheinigt SpaceX erhebliches Aufwärtspotenzial. Im Bloomberg-Interview erklärte er: „Die Optionalität ist bei SpaceX derzeit größer als bei Tesla. SpaceX liegt der Konkurrenz momentan so weit voraus, dass das Unternehmen besser positioniert ist als Tesla, um diese Optionalität tatsächlich umzusetzen. Der Bewertungsaufschlag, den Analysten Teslas vergleichsweise spekulativeren Geschäftsbereichen zugestehen, basiert auf Musks Erfolgsbilanz bei technologischen Umbrüchen — kurz gesagt: Er hat viele Menschen reich gemacht."

Bewertung bleibt umstritten

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. Damodaran selbst erklärte, dass er bei einer 2-Billionen-Dollar-Bewertung nicht investieren würde und einen fairen Unternehmenswert eher bei rund 1 Billion Dollar ansiedelt. Dennoch scheint an der Wall Street eine andere Emotion zu überwiegen: die Furcht, eine historische Investmentchance zu verpassen.

Genau dieses FOMO-Phänomen — die Angst, etwas zu verpassen — hatte bereits Tesla über Jahre hinweg angetrieben. Damodaran beschreibt das Phänomen prägnant: „Viele Analysten haben bereits entschieden, dass sie SpaceX kaufen werden, weil sie glauben, es sich nicht leisten zu können, außen vor zu bleiben. Die Angst, etwas zu verpassen, ist groß, weil sie gesehen haben, was passiert, wenn sie eine solche Gelegenheit verpassen."

Ein Belastungstest für die Märkte

Der SpaceX-Börsengang könnte sich damit zu einem wichtigen Indikator entwickeln: Wie weit sind Investoren bereit, Zukunftsvisionen und Managementwetten an den Finanzmärkten zu bewerten? Die Antwort dürfte nicht nur für Musk-Enthusiasten, sondern für das gesamte Marktgefüge relevant sein.

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