Mittwoch, 20. Mai 2026

Pakistan verzichtet auf Spot-LNG und spekuliert auf Konfliktentschärfung

8. Mai 2026
Pakistan verzichtet auf Spot-LNG und spekuliert auf Konfliktentschärfung
Pakistan verzichtet auf Spot-LNG und spekuliert auf Konfliktentschärfung

Pakistans gewagter Energiespielzug

In seiner Rolle als Vermittler zwischen Washington und Teheran scheint Pakistan über Entwicklungen im Nahost-Konflikt informiert zu sein, die die breite Öffentlichkeit noch nicht kennt. Zumindest deutet die aktuelle Energiestrategie des Landes darauf hin, dass die Regierung mit einer baldigen Entspannung rechnet.

Statt auf dem teuren Spotmarkt zuzugreifen, hat die staatliche Pakistan LNG Ltd. eine am Donnerstag auslaufende Notausschreibung für zwei Lieferungen im Mai nicht angenommen. Nach Angaben von mit der Sache vertrauten Händlern basiert diese Entscheidung auf der Erwartung, dass sich die Feindseligkeiten zwischen USA und Iran abschwächen und Katar bald wieder zwei Schiffsladungen liefern kann.

Drastischer Rückgang der LNG-Importe

Die Auswirkungen der Blockade der Straße von Hormus sind für Pakistan verheerend. Schiffsverfolgungsdaten zeigen, dass das Land seit Anfang März lediglich eine einzige LNG-Ladung importiert hat – im Vorjahr waren es durchschnittlich etwa neun Lieferungen monatlich. Die Verträge mit Katar kosten derzeit etwa halb so viel wie Spotmarkt-Preise.

Ein riskantes Kalkül mit Konsequenzen

Die Entscheidung gegen Notfallkäufe ist strategisch gewagt. Pakistan kämpft bereits mit erheblichen Gasengpässen, die zu großflächigen Stromausfällen geführt haben. Ende des Vormonats war das Land gezwungen, erstmals seit über zwei Jahren eine Spotladung LNG zu erwerben, als vertragliche Lieferungen wegen des Nahostkonflikts ausblieben.

Die geplanten Lieferungen aus der abgelehnte Ausschreibung sollten für den 12. bis 14. Mai sowie den 24. bis 26. Mai vorgesehen sein. Vereinzelt gelang es pakistanischen Schiffen bereits, die Straße von Hormus zu passieren – darunter ein Dieseltanker in der vergangenen Woche.

Pakistans Verzicht auf unmittelbare Notversorgung lässt sich als implizites Vertrauen in eine zeitnahe Konfliktlösung interpretieren. Sollte sich die Lage jedoch nicht entschärfen, droht eine Verschärfung der Energiekrise im Land.

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