Mittwoch, 20. Mai 2026

Rohöl unter Druck: Mehrere Eskalationsfaktoren treiben Notierungen nach oben

18. Mai 2026
Rohöl unter Druck: Mehrere Eskalationsfaktoren treiben Notierungen nach oben
Rohöl unter Druck: Mehrere Eskalationsfaktoren treiben Notierungen nach oben

Der Rohölmarkt befindet sich in einer volatilen Phase. Seit Donnerstag Mittag hat sich der Brent-Ölpreis von 104 Dollar auf aktuell 111,11 Dollar je Barrel erhöht – ein Anstieg von 7 Dollar in weniger als zwei Handelstagen, der die Marktteilnehmer aufhorchen lässt. Gemessen an der Entwicklung seit Kriegsbeginn, als Öl noch bei 73 Dollar notierte, unterstreicht diese Bewegung die angespannte Lage.

Mehrere zusammenwirkende Faktoren verschärfen die Situation. An vorderster Stelle steht die geopolitische Konfrontation: Donald Trump hat am Wochenende drastische Drohungen gegen den Iran ausgesprochen und dabei betont, dass für das Land „die Zeit drängt". Die Straße von Hormus bleibt dadurch weiterhin großteils blockiert, was die globale Ölversorgung beeinträchtigt und Verknappungsängste schürt.

Das Treffen zwischen Trump und Chinas Präsident Xi Jinping am Donnerstag und Freitag der vergangenen Woche hatte Hoffnungen geweckt, dass Washington über Beijing Druck auf Teheran ausüben könnte. China ist faktisch der Hauptabnehmer iranischen Öls. Diese Hoffnungen zerschlugen sich jedoch – es gab keine substanziellen Fortschritte. Für die Märkte bedeutet dies eine Verstärkung des Aufwärtsdrucks auf die Notierungen.

Ein weiterer Belastungsfaktor kam am Wochenende hinzu: Die temporäre Ausnahmeregelung für russische Ölimporte ist ausgelaufen. Die USA hatten diese Sanktionserleichterung eingeführt, um die Folgen der Hormus-Blockade abzufedern. Mit ihrer Beendigung sinkt das verfügbare Angebot am freien Weltmarkt erneut.

Die strukturelle Lage verschärft sich zusätzlich durch sinkende globale Lagerbestände. Viele Länder zehren lieber von ihren Reserven auf, statt zu hohen Spotmarktpreisen zuzukaufen – eine Strategie, die auf eine baldige Entspannung setzt. Mit den beschriebenen Eskalationsfaktoren wirkt eine schnelle Deeskalation jedoch unrealistisch.

Analysten warnen vor weiteren Risiken. Ipek Ozkardeskaya, Senior Analystin bei Swissquote, verweist darauf, dass die ausbleibenden Fortschritte in den Friedensgesprächen mit dem Iran die Preisrallye verstärken. Der Anleihenmarkt bleibt durch diese Entwicklungen unter Beobachtung, zumal US-Rohöl zu Beginn der Sitzung über 108 Dollar gehandelt wurde. Die Aufwärtsrisiken überwiegen, da der andauernde Konflikt im Nahen Osten zu einem Rekordabbau weltweiter Ölreserven führt.

Morgan Stanley beschreibt die Marktsituation als „Wettlauf gegen die Zeit". Sollte die Hormus-Blockade bis in den Juni andauern, könnten die bislang preisbegrenzenden Faktoren unter Druck geraten. Charu Chanana, Chefanlagestrategie bei Saxo Markets in Singapur, betont: „Die Märkte haben zahlreiche Schlagzeilen über mögliche Lösungen gesehen, aber bislang keinen glaubwürdigen Mechanismus, der das Hormus-Versorgungsrisiko vollständig beseitigt." Die Risikoprämie dürfte daher hartnäckig hoch bleiben.

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