Burry sieht Technologiesektor an Grenze zur Überhitzung

Ein Investor mit Kultstatus – aber auch mit Fehlprognosen
Michael Burry hat sich durch seine erfolgreiche Wette gegen den US-Häusermarkt während der Finanzkrise einen Namen gemacht. Der Film „The Big Short" machte ihn weltweit zum gefeierten Investor. Doch dieser Ruf sollte nicht dazu führen, dass Marktteilnehmer seine Einschätzungen unhinterfragt akzeptieren. In der Vergangenheit hat Burry mehrfach Warnungen ausgesprochen, die sich nicht bewahrheitet haben. Erfolg bei einer großen Wette bedeutet nicht, dass jede folgende Marktprognose zutrifft. Anleger sind gut beraten, seine Aussagen aufmerksam zu verfolgen, aber eigenständig zu urteilen.
Massive Bewertungen im Technologiesektor
Burrys aktuelle These könnte dennoch zutreffen: Der Technologiesektor könnte tatsächlich überteuert sein. Die Kursgewinne der letzten Wochen waren beeindruckend. Nach einer phasenweise Pause bei Tech-Aktien – bedingt durch Sorgen um ein Ende des KI-Booms – kam es ab April zu einer neuen Aufwärtsbewegung. Quartalsergebnisse überzeugen dabei durchweg, und die in den Geschäftsberichten kommunizierten Investitionen in KI-Infrastruktur nehmen weiter zu.
Im Zwölf-Monats-Rückblick zeigt sich ein klares Bild: Chip-Aktien und der Nasdaq 100 bewegten sich nach dem Jahreswechsel 2025/2026 seitwärts. Der Iran-Konflikt verschärfte die Unsicherheit. Mit Beginn der Berichtssaison im April setzte dann ein kraftvoller Aufwärtsimpuls ein.
Die Bewertungskennziffern sprechen für Skepsis
Burry argumentiert mit konkreten Zahlen: Der Nasdaq 100 wird derzeit mit dem 43-Fachen der Gewinne bewertet, während ein nachhaltiges Niveau bei etwa dem 30-Fachen liegen sollte. Der Philadelphia Semiconductor Index ist seit Ende März um knapp 70 Prozent angestiegen. Besonders kritisch sieht Burry die Gewinnschätzungen: Die Wall Street könne die Erträge der schnellsten und höchsten bewerteten Unternehmen um mehr als 50 Prozent überschätzen.
Seine Worte sind deutlich: „Wir erleben Geschichte. An der Börse ist das nichts Gutes." Er vergleicht die Situation mit einem Moment kurz vor einem schweren Autounfall – eine Warnung vor drastischen Kursrückgängen.
Breite Rally mit extremen Bewertungsmustern
Weitere Marktbeobachter teilen Burrys Besorgnis. Die Rally wurde durch massive Investitionen großer Technologiekonzerne wie Alphabet und Amazon in künstliche Intelligenz ausgelöst und hat Indizes auf Rekordniveaus getrieben. Gleichzeitig könnte der US-Iran-Konflikt das Wirtschaftswachstum bremsen und durch höhere Ölpreise inflationäre Effekte auslösen.
Analysten von Sundial Capital Research stellten fest, dass der S&P 500 erst zum vierten Mal ein Rekordhoch erreicht, während nur fünf Prozent seiner Komponenten auf 52-Wochen-Tiefs notieren – ein Zeichen für die Konzentration der Rally. Besonders auffällig: Der Philadelphia Semiconductor Index notiert lediglich zweimal in der Geschichte so weit über seinem 200-Tage-Durchschnitt – im Juli 1995 und im März 2000 auf dem Höhepunkt der Internetblase.
Warnung vor vorschnellen Shortpositionen
Burry rät allerdings davon ab, auf fallende Kurse zu setzen. Put-Optionen sind derzeit teuer, und schlecht getimte Positionen können erhebliche Verluste verursachen. Wer an der parabolischen Bewegung teilnimmt und nicht rechtzeitig aussteigt, setzt auf die eigene Marktmacht – ein riskantes Spiel.
Die Lehren der Börsengeschichte sind klar: Auch wenn die Rallye noch Wochen, Monate oder Jahre andauern könnte, endet sie letztlich in deutlich niedrigeren Kursen. Burry warnt: „Wir bewegen uns in diese seltene Höhenluft, so extrem, dass die Konsequenzen unvermeidlich sein werden, egal wo man sich versteckt."
Vergleichen Sie Optionen


