Mittwoch, 20. Mai 2026

Ökonomen erwarten zwei EZB-Zinsschritte bis September – Inflation treibt Geldpolitik unter Druck

11. Mai 2026
Ökonomen erwarten zwei EZB-Zinsschritte bis September – Inflation treibt Geldpolitik unter Druck
Ökonomen erwarten zwei EZB-Zinsschritte bis September – Inflation treibt Geldpolitik unter Druck

Geopolitische Spannungen heizen Preisdruck an

Der andauernde Konflikt zwischen dem Iran und den USA treibt die Verbraucherpreise in Europa in die Höhe. Innerhalb weniger Wochen ist die Inflationsrate von 2,6 % auf 3,0 % angewachsen – ein Entwicklung, die die Europäische Zentralbank nicht ignorieren kann. Steigende Energiepreise durchlaufen derzeit die Lieferketten und verstärken den Preisdruck flächendeckend.

Signale vom Direktorium

Bei ihrer Pressekonferenz am 30. April deutete EZB-Präsidentin Christine Lagarde bereits an, dass Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation auf dem Tisch liegen könnten. Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel bekräftigte diese Einschätzung, indem sie erklärte, dass eine Straffung der Geldpolitik notwendig werden könnte, sollte sich der Energieschock weiter ausbreiten.

Umfrage zeigt klare Erwartung

Eine neue Bloomberg-Umfrage unter Ökonomen, durchgeführt vom 4. bis 7. Mai, zeichnet ein deutliches Bild: Die Mehrheit der befragten Volkswirte rechnet mit zwei Zinserhöhungen im laufenden Jahr. Jeweils ein Viertelpunkt soll demnach im Juni und September folgen. Dies entspricht einer Gesamtanhebung um 0,5 Prozentpunkte bis Ende des dritten Quartals.

Besonders bemerkenswert ist die Verschiebung der Erwartungen gegenüber der vorherigen Befragung, bei der lediglich eine einzige Zinserhöhung prognostiziert worden war. Die aktuelle Umfrage nähert sich damit stärker den Markterwartungen an, die bereits von mindestens zwei Anhebungen im Jahr 2026 ausgegangen waren.

Entwicklung der Leitzinsen und Inflationsprognosen

Die EZB hat ihre Leitzinsen (Einlagensatz) in den vergangenen zwei Jahren von 4,0 % auf 2,0 % halbiert. Gleichzeitig ist die Inflationsrate in der Eurozone seit Jahresbeginn kontinuierlich angestiegen – von 1,7 % auf nunmehr 3,0 %. Das Inflationsziel der EZB von 2,0 % wird damit deutlich verfehlt.

Nach Einschätzung der befragten Analysten dürfte die Teuerungsrate im Jahr 2026 auf durchschnittlich 2,9 % ansteigen, eine Erhöhung gegenüber der Vorprognose von 2,8 %. Für 2027 wird mit einem moderaten Rückgang auf 2,1 % gerechnet, bevor 2028 das Zielband der EZB von 2,0 % wieder erreicht werden könnte.

Geopolitische Faktoren als Schlüsselindikator

Der scheidende EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hat die Bedeutung der geopolitischen Lage hervorgehoben. Die Offenhaltung der Straße von Hormus – eine der weltweit wichtigsten Seerouten für Öllieferungen – wird seiner Aussage nach ein entscheidender Faktor für die Ratssitzung im Juni sein. Das aktuelle Unsicherheitsumfeld beschrieb de Guindos als „brutal".

Für einen Zinsschritt im September zeigt die Umfrage allerdings nur eine knappe Mehrheit unter den befragten Experten, was die anhaltende Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Energiepreise widerspiegelt.

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