Mittwoch, 20. Mai 2026

Schwellenländer-Aktien im Aufwind: Strategen sehen Chancen trotz Risiken

11. Mai 2026
Schwellenländer-Aktien im Aufwind: Strategen sehen Chancen trotz Risiken
Schwellenländer-Aktien im Aufwind: Strategen sehen Chancen trotz Risiken

Schwellenländer-Aktien etablieren sich zunehmend als Outperformer an den globalen Börsen und distanzieren damit sowohl europäische als auch nordamerikanische Titel. Südkorea führt diese Bewegung an, gestützt durch das Vertrauen der Investoren in Künstliche Intelligenz sowie die Einschätzung, dass die geopolitischen Spannungen im Iran-Konflikt strukturell begrenzte Auswirkungen haben.

Claus Born, Senior Vice President und institutioneller Portfoliomanager bei Franklin Templeton für Schwellenländer-Aktien, dokumentiert in seiner jüngsten Bewertung, dass die Märkte dieser Region im April um 14,73 Prozent zulegten – ein deutliches Plus gegenüber dem globalen Durchschnitt von 9,64 Prozent beim MSCI World Index. In den bedeutenden Handelsplätzen Südkorea, Taiwan und China erwiesen sich KI-Faktoren als dominant gegenüber Energiepreisbedenken. Der indische Markt setzte sich ebenfalls durch, trotz hoher Ölnotierungen, während weitere regionale Märkte gleichzeitig Gewinne realisierten. Märkte in Europa, dem Nahen Osten und Afrika verzeichneten gemäßigtere Zuwächse, wobei ein Waffenstillstand im Nahostkonflikt und dessen Verlängerung zur Beruhigung der Lage beitrugen.

Born weist darauf hin, dass die Angst vor Lieferengpässen durch den Iran-Konflikt möglicherweise übertrieben ist. Saudi-Arabien nutzt die Ost-West-Pipeline für Ölexporte zu Häfen am Roten Meer, während die Vereinigten Arabischen Emirate Düngemittel auf Landwegen zu Häfen jenseits der Straße von Hormus transportieren. Obwohl diese alternativen Routen die Auswirkungen einer möglichen Blockade der Straße von Hormus nicht vollständig kompensieren, deuten sie darauf hin, dass die wirtschaftlichen Konsequenzen des Konflikts weniger dramatisch ausfallen könnten als mediale Berichterstattung suggeriert.

Der Ausblick für Schwellenländer-Aktien bleibt nach Born ausgewogen. Während günstige strukturelle Faktoren vorhanden sind, bestehen gleichzeitig erhebliche geopolitische Risiken. Dies spricht eher für einen selektiven, differenzierten Investitionsansatz als für eine breite Marktbewegung. Geopolitische Risiken beeinflussen zunehmend Kapitalströme, Rohstoffpreise und Anlegerstimmung, während unterschiedliche innenpolitische Zyklen sowie regional und sektoral variierende Wachstumsdynamiken zusätzliche Komplexität schaffen.

Als wesentlicher positiver Faktor hebt Born strukturelle Wachstumstrends hervor, insbesondere Künstliche Intelligenz als Haupttreiber. Obwohl KI-Themen phasenweise erhöhte Volatilität verursachen, bleibt die Nachfrage stabil, da die Anwendungen zunehmen, Modellleistungen sich verbessern und immer mehr Branchen von Produktivitätssteigerungen profitieren. Franklin Templeton bewertet KI weiterhin als überzeugende Investitionsmöglichkeit in führenden Schwellenländern, die Halbleiterhersteller, EMS-Anbieter, Energieversorger und Leiterplattenproduzenten entlang der gesamten Wertschöpfungskette begünstigt.

Allerdings zeigt sich auch Vorsicht am Markt: Der Index für Schwellenländer-Aktien in Europa, dem Nahen Osten und Afrika fiel um 0,8 Prozent, was nach Bloomberg-Informationen auf bärische Stimmung außerhalb von KI-Titeln hindeutet und Befürchtungen unterstreicht, dass Technologiewerte überbewertet sind und Korrekturrisiken bergen.

Lorraine Tan, Leiterin der Aktienanalyse bei Morningstar Asia, äußert sich gegenüber Bloomberg Television kritisch: „Wir glauben, dass der Markt in Bezug auf die Bewertungen etwas überzogen ist. Sollte es aufgrund von Rohstoffengpässen zu Störungen bei der Chip-Versorgung kommen, wird dies Auswirkungen auf den Sektor haben."

JPMorgan-Strategen unter der Leitung von Mislav Matejka prognostizieren hingegen für die zweite Jahreshälfte eine weitere deutliche Rally bei Schwellenländer-Aktien und behalten ihre Vorzugsstellung gegenüber Industrieländer-Titeln bei. Ihrer Ansicht nach setzt sich der KI-Handel fort, Schwellenländer-Aktien sind kostengünstiger und bieten erhebliches Aufwärtspotenzial.

Vergleichen Sie Optionen