Marktstrategen warnen vor erster signifikanten Korrektur seit März – Anleihemarkt im Fokus

Die Aktienmärkte befinden sich derzeit unter erheblichem Druck. Steigende Ölpreise, geopolitische Spannungen rund um den Iran und wachsende Inflationsängste treiben die Renditen von Staatsanleihen nach oben und verschärfen die Situation für Aktienanleger.
Warnsignale vom Anleihemarkt
Ein führender Strategist der Wall Street äußert sich besorgt über die Entwicklung. Das Team um Mike Wilson rechnet laut Bloomberg damit, dass bei fortgesetzter Volatilität am Anleihemarkt und weiter steigenden langfristigen Zinsen „die erste nennenswerte Korrektur am Aktienmarkt seit dem Markttief Ende März" eintreten könnte.
Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen befinden sich auf historisch hohem Niveau, während die 30-Jahres-Rendite den höchsten Stand seit fast drei Jahren erreicht hat. Auch in Japan zeigen sich ähnliche Tendenzen mit Renditen auf Mehrjahreshochs.
Wilson führt diese Entwicklungen auf die Kombination aus steigenden Ölpreisen, einer robusten Wirtschaft und einer strafferen Haltung der Federal Reserve zurück. Eine dauerhafte Lösung des Iran-Konflikts wäre seiner Ansicht nach notwendig, um wieder fallende Zinsen zu ermöglichen.
Langfristiger Optimismus bleibt erhalten
Trotz der kurzfristigen Risiken halten die Strategen an ihrer positiven mittelfristigen Einschätzung fest. Das 12-Monats-Kursziel für den S&P 500 wurde in der vergangenen Woche auf 8.300 Punkte angehoben. Diese Prognose gründet sich auf das stärkste Gewinnwachstum seit mehr als zwei Jahrzehnten – abgesehen von Erholungsphasen nach größeren Marktschocks.
Wilson weist darauf hin, dass Marktteilnehmer die Breite des Gewinnwachstums unterschätzen. Gewinne entstehen nicht nur bei KI-profitierenden Unternehmen, sondern auch in anderen Sektoren. Dennoch sei die Risikobereitschaft in Bereichen mit Expansionspotenzial bislang begrenzt.
Die Schlüsselvariablen für eine Beschleunigung der Gewinnexpansion seien fallende Ölpreise und sinkende Zinsen, so Wilson.
Bewertungen unter der Lupe
Eine kritischere Perspektive kommt von Ipek Ozkardeskaya, Senior-Analystin bei Swissquote. Sie weist auf die hohen Bewertungen im Nasdaq 100 hin, dessen Kurs-Gewinn-Verhältnis derzeit über 38 liegt. Ein Rückgang auf das historische Niveau von 25 bis 30 wäre aus ihrer Sicht gesund und notwendig.
Rein mathematisch würde ein Rückgang des KGV von 38 auf 30 – bei unveränderter Gewinnerwartung – eine Korrektur von etwa 20 bis 22 Prozent bedeuten. Unter Berücksichtigung fortgesetzten Gewinnwachstums rechnet Ozkardeskaya mit einem wahrscheinlicheren Szenario einer Korrektur zwischen 10 und 15 Prozent.
Ein solcher Rückgang könnte den Nasdaq 100 in Richtung der 23,6-Prozent-Fibonacci-Retracement-Marke bei rund 26.600 Punkten bringen, möglicherweise sogar bis zur 200-Tage-Linie nahe 25.200. Technisch sollte der übergeordnete Aufwärtstrend bei Kursen oberhalb von 24.800 Punkten intakt bleiben. Eine Korrektur dieser Größenordnung könnte jedoch der Rallye die nötige Verschnaufpause geben und einen gesünderen Aufwärtstrend ermöglichen.
Vergleichen Sie Optionen


